Ärgern ist aus

von Stefan Evertz am 02.02.14 um 21:32 Uhr |

Hammock Seit über 2 Jahrzehnten treibe ich mich im Netz herum, davon fast 9 alleine in diesem Blog. Und auch wenn ich es bis heute nicht bereut habe, mit dem Bloggen begonnen und immer mehr ins Social Web eingetaucht zu sein, so werde ich doch langsam echt müde. Irgendwie durchaus ähnlich wie die hochgeschätzte Christine Dingler. Und doch ganz anders.

Denn über die Jahre merkt man, dass es offensichtlich Sau-Kreisläufe gibt – zumindest werde ich das Gefühl nicht los, dass bestimmte Säue immer wieder durchs Dorf getrieben werden. Oder sie sehen sich einfach zu ähnlich. So ist eine Lanz-Petition nicht automatisch schlecht, auch wenn dort weitaus mehr Menschen aktiviert werden konnten als bei Zensursula oder der Vorratsdatenspeicherung, sondern bleibt zum einen eine ernstzunehmende (wenn auch heruntergespielte) Äußerung des „Kunden“ bzw. TV-Zuschauers, der keine andere Möglichkeit hat, sich Gehör zu verschaffen. Und zum anderen bleibt es doch nur ein neue Facette des GEZ-Themas, das die Blogosphäre seit mindestens einem Jahrzehnt beschäftigt.

Auch an den von Christine eigentlich zu Recht bemängelten, oft sehr ruppigen digitalen Umgangston habe ich mich zumindest ein wenig gewöhnt. Es gibt halt Menschen, die im Netz pöbeln und attackieren können auf eine Weise, wie sie sich das mir persönlich gegenüber nie trauen würden. Und das nicht nur, weil ich mit 1,92 m oft viel weniger nett wirke, als ich eigentlich bin – zumindest meistens. Das durchaus spannende Diskussion von Menschen mit Trollcharakter geprägt bzw. beeinträchtigt werden (und dann natürlich auch nicht weiter diskutiert wird – es geht ja ums Trollen, nicht ums Diskutieren), macht es leider nicht besser.

Ganz im Gegenteil, denn irgendwann in den letzten Monaten kam bei mir der Punkt, wo ich merkte, dass ich keine Lust mehr habe, mich in jede Diskussion verwickeln zu lassen – und mit jedem Troll-Klon zu diskutieren, der einem Thema nicht mal soviel Respekt entgegen bringt, sich mal kurz einzugoogeln oder gar einzulesen. Dies gilt auch für Themen, bei denen man spätestens alle zwei Jahre sowieso wieder diskutiert – die Sau-Themen halt (Bloggerverband / Blogger-Versicherung ist auch so ein Thema). Dafür ist mir meine Zeit einfach zu schade. Die verbringe ich lieber damit, etwas zu schaffen, weiterzuentwickeln oder einfach mein Privatleben zu geniessen.

Und wenn dann doch wieder „ein Ball bei mir im Feld landet“, dann seufze ich immer öfter kurz und mache dann weiter, ohne mich wirklich stören zu lassen. Und denke mir erfreulicherweise immer häufiger als virtuelle Antwort auf diese Frage: Ärgern ist aus. Und spielt einfach woanders 😉

Photo credit: silverfox09 via photopin cc

8 Gedanken zu „Ärgern ist aus

  1. Klaus M. Janowitz

    Hallo Stefan,

    Bloggen bedeutet nicht, zu jeder Sau, die durch die Social Media getrieben wird, Stellung zu nehmen. Auch das Verhalten von Lieblingskatzen, Nail Art in Asien, Hipsterbärte- und taschen sind vom Umfang gewichtige Themen. Das alles ist interessant, um zu beobachten, wie schnell gewachsene Kommunikationsformen funktionieren, auch wenn es einem inhaltlich egal ist.
    Social Media können viel sein: ein Marketinginstrument, ein Lebensstil, an dem sich jeder sein ihm oder ihr passendes Umfeld zusammensteckt, aber auch eine Bild-Zeitung, an der jeder mitschreiben kann.
    Jeder kann seine Themen lancieren, aber man kann und muß nicht an allem teilnehmen. Was an der Lanz- Geschichte interessant ist, wie es als eine Art Volksbegehren daherkommt. Mir selber ist der Mann egal – kuck ich nicht, von den Gebühren (oder eher Kopfsteuer) wird auch die Bundesliga finanziert 🙂

    1. Stefan Evertz Artikelautor

      Hier liegt eventuell ein Missverständnis vor. Ich habe nicht geschrieben, dass Bloggen bedeutet, zu jeder Sau Stellung zu beziehen. Ich stelle einfach nur fest, dass es viele Diskussionen gibt, die ein übermäßiges Engagement bei näherer Betrachtung einfach nicht lohnen. Denn vielen Diskussionsteilnehmer scheint es eben nicht um eine Diskussion bzw. einen Austausch zu gehen, sondern eher um Provokation – ums Trollen eben. Und über solche Dinge will ich mich einfach nicht mehr ärgern…

  2. Klaus M. Janowitz

    …das habe ich auch nicht gemeint :)) An der Lanz- Geschichte ist interessant, wie sich manche Leute als Volksbegehren inszenieren – und damit ihren Einfluß in Form von Medienresonanz austesten.

    1. Stefan Evertz Artikelautor

      Ich glaube in der Tat, dass viele Teilnehmer an der Lanz-Petition (wenn sicher auch nicht alle) das als Volksbegehren verstehen. Eine andere Chance, hier in größerem Rahmen Einfluss zu nehmen, haben die Zuschauer nämlich nicht… Aber auch das schrieb ich ja oben schon 😉

  3. Pingback: Gegen die Nein-Gesellschaft und für mehr Krieg | hirnrinde.de

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