Online? Offline? Egal.

von Stefan Evertz am 14.10.12 um 22:54 Uhr | 1 Antwort

boy at work Erstaunlich, wie oft noch eine Grenze zwischen Online und Offline gezogen wird. Erst vor kurzem bin ich wieder im Gespräch darüber gestolpert, dass mir jemand erklärte, dass er ja im Urlaub immer offline wäre. Später fiel mir dann auf, das da etwas hakt. Und zwar ziemlich. Und dass dahinter ein erstaunlich hartnäckiges und leider sehr polar ausgerichtetes Verständnis zu stecken scheint, das aber immer weniger von der Realität bestätigt wird.

Auf der einen Seite steht da die Online-Welt (inklusive der zunehmenden mobilen Nutzung), gerne auch mit Arbeit gleichgesetzt (was das Nutzungsverhalten vieler Websites sogar weiterhin bestätigt) und letztendlich als “eher negativ” eingestuft. Auf der anderen Seite steht die Offline-Welt, eher mit Freizeit (und eben auch dem Urlaub) assoziiert und eigentlich “eher positiv”. Natürlich ist das sehr reduziert, aber viele Prozesse und Entscheidungen auf politischer Ebene legen diese – häufig sehr ängstlich gegenüber “dem Internet” wirkende – Wahrnehmung nahe. Und die Sprache in den Medien geht immer noch sehr oft in die gleiche Richtung. Dass sich dieses Wertemodell hier in “unserer” Social Media-Blase etwas anders darstellt, sei dabei mal ausgeklammert, liebe Netzgemeinde ;)

Es gibt natürlich viele Indizien, dass die Grenzen immer mehr aufweichen. Wenn ich mir alleine so anschaue, wer in meinem persönlichen Umfeld nach langjähriger kritischer Distanz dann eben doch in den letzten Monaten zum Smartphone-Nutzer wird, wird schnell klar, dass hier z.B. der Erdrutsch in Sachen mobiler Internet-Nutzung langsam in Schwung kommt…

Wichtiger finde ich aber eben etwas anderes: Es ist einfach Quatsch, einzelne Medien in solche Kategorien zu packen. Bei Essen oder ein paar Drinks mit Freunden werden sich die meisten Menschen überwiegend mit ihren Mitmenschen beschäftigen. Und vielleicht zwischendurch mal kurz aufs Handy schauen. Früher hat man da nach SMS oder einem Anruf Ausschau gehalten. Heute kommen eben auch noch Twitter, Facebook und andere Netzwerke dazu.

Natürlich sollte man sich Erholungsphasen gönnen. Und auch die Privatsphäre nicht vergessen. Aber so etwas z.B. an feste Zeiten (“Feierabend”, “Wochenende”) zu knüpfen, scheint mir nur noch bedingt sinnvoll zu sein. Vielmehr muss ich jeweils immer wieder neu für mich selbst entscheiden, was ich tun oder lassen will. Lasse ich mein Handy an oder mache ich es aus? Checke ich rund um die Uhr meine Mails? Bleibe ich im Urlaub offline? Reagiere ich 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag auf Nachrichten? Checke ich via Foursquare oder Facebook irgendwo ein oder lasse ich es?

Ich habe die Kontrolle darüber, wie ich mein Leben lebe – auch in einer zunehmend mobilen und vernetzten Welt. Und auch wenn die Trennung zwischen online und offline immer noch in vielen Köpfen steckt: Für mich spielt sie keine Rolle mehr, ich trenne da nicht mehr. Sie ist mir egal.

Und jetzt klappe ich den Rechner zu. Weil ich es kann :twisted:

photo credit: Giorgio Montersino via photopin cc

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