Mein erstes BarCamp

von Stefan Evertz am 21.10.13 um 0:00 Uhr |

the ultimate barcamp logo collection Leicht angespannte Nervosität – das passt wohl am besten auf die 2 Stunden Zugfahrt, zu der ich mich an einem Samstagmorgen im April 2007 aufmachte. Und die Anspannung wuchs eher noch, denn ich hatte trotz diverser sehr vielversprechender Berichte zu den ersten drei BarCamps in Deutschland eigentlich keinerlei Vorstellung, was mich da in Frankfurt erwarten würde. Konferenzen und Kongresse kannte ich, hatte auch schon welche mitorganisiert. Aber ein „BarCamp“, eine sogenannte Unkonferenz, bei der gemeinsam vor Ort das Programm festgelegt wird? Irgendwie blieben da Zweifel – mindestens. Und ich kannte zwar die Teilnehmerliste, hatte aber noch keine Person darauf je persönlich getroffen, sondern nur einige „via Netz“. Insgesamt also ziemlich viele Unbekannte, und ich fragte mich, wie die 2 Tage wohl werden würden. Erfreulicherweise wurden die 2 Tage nicht nur toll, sondern sie veränderten mein Leben – soviel kann man spätestens im Rückblick sagen.

Denn ich wurde nicht nur mit dem BarCamp-Virus infiziert und traf von da an an vielen Orten in Deutschland interessante und vor allem sehr offene Menschen, die gelegentlich von mir lernten (hoffe ich) , vor allem aber ihr Wissen mit mir und anderen teilten. Und entdeckte neben diversen Social Media Tools und Platttformen auch Twitter. Und aus Twitter-Followern wurden Bekannte, und aus Bekannten wurden Freunde. Und ich lernte damals in Frankfurt viel bei Sessions zu unterschiedlichsten Themen. Ich war live dabei, als die legendäre „Bloggen und Recht“-Session von Henning Krieg entstand. Und konnte fasziniert zusehen, wie ein Mitarbeiter von Cisco und Frank Hamm spontan zusammen eine Session über Wissensmanagement im Unternehmen und über Intra- und Extranet-Ansätze hielten. Durch BarCamps wurde der Lernprozess und die Auseinandersetzung mit der zunehmenden Digitalisierung extrem beschleunigt und wird es noch. Und ich freue mich sehr, dass ich noch heute viel bei BarCamps lernen und meinen Horizont ständig erweitern kann.

Ich traf aber in Frankfurt auch zum ersten Mal viele der Blogger, die ich bisher nur vom Lesen und von Diskussionen per Blog, E-Mail und Skype kannte. So traf ich Robert Basic, Mike Schnoor, Franz Patzig, Jan Theofel und viele andere Menschen, die mich schon seit 2004 online und seitdem offline begleiten. Und dort startete wohl auch das, was viele BarCamper auch heute noch als die Basis für die „Familientreffen“ bezeichnen – das familiäre eben, das „vieles ähnlich sehen“, vieleicht passt da auch „Like minded“… Neben den inhaltlichen Impulsen und dem hohen Potential für neue Themen und Ideen sind es bis heute die Menschen, die mich zu Barcamps ziehen. Und so passt es wohl ziemlich gut, dass ich auch meine Frau bei einem BarCamp kennenlernen durfte.

Es gibt aber noch einen dritten Aspekt, in dem dieses BarCamp für mich etwas verändert hat – vielleicht sogar am nachhaltigsten. Denn schnell begann ich auch mit der Organisation von BarCamps – zunächst ehrenamtlich, ab 2009 kamen aber erste Beratungen, Begleitungen und Moderationen bei der Organisation von ThemenBarCamps und internen BarCamps hinzu. Und so passt es eigentlich recht gut, dass ich seit meinem Neustart im September auch die Organisation von BarCamps in meinem Dienstleistungsportfolio habe. Und das hätte ich 2007 dann doch nicht gedacht…

Das wahre Highlight dieses ersten BarCamp-Tages war aber ein ganz kleiner Moment. Während wir in der Raucherecke zusammen standen, sprach mich der Schweizer Roman aka Yoda irgendwann an und sagte „Ah, Du bischt also die Hirnrinde?“. Da wusste ich, dass ich angekommen war.

Manche Dinge sind vielleicht wirklich zur Einmaligkeit verdammt – zumindest gab es bis heute kein weiteres reguläres BarCamp mehr in Frankfurt und selbst das später begründete BarCamp RheinMain scheint einen Bogen um die Stadt zu machen. Aber für mich war es der Beginn zu etwas sehr spannendem – Danke dafür (auch für die Erinnerung daran im Rahmen der Blogparade „Dein erstes BarCamp“)!

2 Gedanken zu „Mein erstes BarCamp

  1. Frank Hamm

    Ach, ich glaube, ich werde so richtig melancholisch. Ich kann das (für mich) so gut nachvollziehen. Aber eigentlich reicht mir ein #hach 🙂

  2. Pingback: BarCamp Köln is coming home – for me. | hirnrinde.de

Kommentare sind geschlossen.