Social Wedding: Wie sich Hochzeit und Social Media vertragen

von Stefan Evertz am 14.10.13 um 19:32 Uhr |

Project 365 #297: 241010 Give Me A Ring Love... Es gab Momente, an denen ich fast bereut habe, über das Thema „Social Wedding“ gebloggt zu haben – über die Frage also, ob man heutzutage für eine Hochzeit auch schon Regeln für „das Internet“ braucht (im Unternehmen gerne „Social Media Guidelines“ genannt). Denn die Reaktionen auf meinen Blogpost „Social Wedding: Social Media Guidelines für eine Hochzeit?“ – eigentlich als Ausgangspunkt für sachliche Diskussionen gedacht – waren durchaus unterschiedlich.

So gab es definitiv verständnisvolle Rückmeldungen, gute Tipps und Ideen. Es gab aber eben auch andere, düpiert wirkende, vereinzelt sogar sehr negative Reaktionen – ob ich denn meine Mitmenschen für so wenig einfühlsam halten würde, dass sie das nicht von alleine merken würden? In den im Blogpost skizzierten 6 Regeln hatte ich eigentlich nur versucht, den gesunden Menschenverstand in greifbare Worte zu giessen. Dabei ging es mir auch um die Frage, ob man solche Regeln überhaupt braucht. Ich hätte wohl häufig mit der Reaktion „Nein, es braucht keine Regeln.“ gerechnet, aber nicht damit, dass sich doch einige auf den Schlips getreten fühlen würden.

Es gab aber auch viel tolles Feedback. So schickte mir jemand einen Link, der auf eine sehr überzeugende Ansprache eines englischsprachigen Priesters verwies, der sinngemäß empfahl: „Erlebt diesen Moment mit Euren Augen und Euren Herzen, nicht mit Euren Smartphones“. An anderer Stelle wurde darauf verwiesen, dass all die Laienknipserei die Fotoqualität eines erfahren Profi-Fotografen stören könnte – spätestens wenn abends die Blitzfunktion genutzt würde oder wenn Menschen zum Knipsen ins Bild laufen würden.

Den Rat eines guten Bekannten, dass das Brautpaar im Mittelpunkt stehen sollte und deshalb auch als einzige – wenn überhaupt – Social Media nutzen sollte, mochte ich ebenfalls sehr. An einigen Stellen merkte ich sogar, dass bei dem einen oder anderen „Poweruser“ der Groschen fiel – zu schnell und oft unbemerkt schleicht sich aber auch die selbstverständliche Nutzung von Social Media im Alltag ein. Und da passt es nur zu gut, dass mir eine gute Bekannte nach der Hochzeit auf der dmexco erzählte, dass sie auch die ersten Hochzeitseinladungen bekommen hätte, auf denen gebeten wurde, keine Fotos ins Internet zu posten. Ganz alleine standen wir mit unseren Fragen und Überlegungen also dann doch nicht…

Schon am Tag vor der Hochzeit zeigte sich dann, dass das von uns ausgelobte Hashtag #hachzeit offenbar kommentarlos akzeptiert und freigiebig benutzt wurde. Und so kamen dann doch fast 500 Tweets zusammen, was uns schon gefreut hat. Mit unseren Gästen hatten wir nicht weiter über das Thema Social Media gesprochen, da wir davon ausgingen, dass unsere Freunde und Familie schon das richtige tun würden – mitbekommen hatten es aber wohl doch alle.

Denn es war und blieb toll – unsere Gäste twitterten und instagramten nicht gerade wenig, wie gesagt. Aber alles, was irgendwie hätte grenzwertig sein können (wie z.B. Bilder von einem von uns), tauchte vorher bei uns auf – und unsere Antwort wurde jedes Mal sehr ernst genommen. Und deshalb gibt es z.B. auch keine Bilder im Netz, auf denen wir gemeinsam den Besen schwingen (fragt nicht). Aber das folgende Bild war auch in unseren Augen in Ordnung:

Das häufigste Motiv dürfte aber wohl unsere Hochzeitstorte gewesen sein…

Wie lautet nun also die Antwort auf die Frage, ob man eine Social Media Guideline für eine Hochzeit braucht? Mit den richtigen Gästen kann eigentlich wenig schiefgehen. Aber über so etwas nachzudenken, kann auch nicht schaden.

Photo credit: comedy_nose via photopin cc

4 Gedanken zu „Social Wedding: Wie sich Hochzeit und Social Media vertragen

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  2. Kai Nehm

    Zuerst mal alles Gute. Ich glaub, ich hab noch gar nicht gratuliert.

    Ich kann voll und ganz verstehen, wenn man die Hochzeit privat feiern möchte und bin auch etwas von den negativen Reaktionen überrascht. Laienknipsen würde ich am liebsten auch verbieten.

    Allerdings irritiert mich das offizielle hashtag nach wie vor. Das wirkt für mich immer noch als Aufforderung viel zu teilen und hat im ersten Moment etwas von Generalfreigabe für Bilder vom Brautpaar bzw. Gästen mit Klout-Score > 20. Vielleicht ging es noch anderen Leuten so.

    1. Stefan Evertz Artikelautor

      Dankeschön 😉 Und den Hinweis auf die Irritation über den Hashtag finde ich spannend – habe das bisher noch nicht so gesehen, kann das aber durchaus nachvollziehen. Ich würde aber letztendlich wohl weiterhin die Möglichkeit der (virtuellen) Teilhabe im Vordergrund sehen und weniger die Generalfreigabe.

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