Webmontag und mixxt (Update)

von Stefan Evertz am 07.08.08 um 8:24 Uhr |

Seit fast drei Jahren gibt es den sog. Webmontag, ein „informelles, nicht-kommerzielles, dezentral organisiertes Treffen, das zum Ziel hat, all diejenigen miteinander zu verbinden, die die Zukunft des Internet gestalten.“ (siehe auch www.webmontag.de[1]). Die Organisation und Kommunikation rund um die Veranstaltungen in mittlerweile 30 Städten fand dabei bislang überwiegend im Wiki auf www.webmontag.de[2] statt.

Seit Anfang des Jahres war nun ein Relaunch der Webmontag-Plattform geplant. Dieser hat sich aber bis jetzt verzögert, so dass Oliver Überholz vor ein Paar Tagen eine mixxt-Community als „Alternativ-Vorschlag“ gestartet hat: webmontag.mixxt.de.

Seitdem ist an einigen Stellen durchaus kontroverse Diskussion aufgeflammt (siehe dort auch jeweils die Kommentare), deren Ende noch nicht abzusehen ist:

Niedrigschwelligkeit für Einsteiger
Ein nicht zu leugnender Vorteil des bisherigen Anmeldeverfahrens im Rahmen des Webmontags-Wikis ist die extrem einfache und niedrigschwellige Benutzbarkeit. Um sich „anzumelden“, klickt ein Interessent auf der entsprechenden Seite auf den „Edit“-Button und fügt seinen Namen der Teilnehmerliste hinzu. Wenn er sich etwas besser mit den Wiki-„Tags“ auskennt, kann er auch noch ergänzende Links hinzufügen. Aber für die reine Anmeldung reichen zwei Klicks und die Angabe des Namens.

Die Anmeldung zum mixxt-Netzwerk ist – im direkten Vergleich – deutlich komplizierter bzw. aufwändiger. Der neue Interessent muss sich zunächst einen mixxt-Account einrichten, dann Mitglied des Webmontag-Netzwerks werden, um sich abschließend bei dem entsprechenden Termin als Teilnehmer einzutragen. Da ich einen mixxt-Account habe und in diversen mixxt-Netzwerken Mitglied bin (auch im Webmontag-Netzwerk), war die Anmeldung für mich reine Routine. Für „fremde“ bzw. neue Teilnehmer ist es das aber sicher nicht.

Zwar teile ich überwiegend die Einschätzung von Oliver (siehe auch webmontag.mixxt.de[2]):

Da der Großteil der Webmontag Besucher und Besucherinnen auch bereits auf einem BarCamp waren, haben sie auch größtenteils mixxt Accounts.

Ein großes Problem der meisten „Web 2.0“-Veranstaltungen ist aber genau dieser leicht inzestuöse Charakter: Es kommen immer wieder die gleichen Leute zusammen, egal ob bei einer pl0gbar, den immer zahlreicher werdenden BarCamps oder eben bei den Webmontag-Veranstaltungen.

Idealerweise sollten meines Erachtens aber mit dem Webmontag immer mehr bzw. neue Menschen erreicht werden – denn bisher kommt nur ein sehr kleiner Teil der „definierten“ Zielgruppe zusammen. Daher sollten die Einstiegshürden möglichst niedrig sein.

Grundsätzlich schätze ich mixxt als (Netzwerk-)Tool – gerade für die BarCamp-Organisation – wirklich sehr (auch aus eigener Erfahrung mit dem BarCampRuhr) und möchte es nicht mehr missen. Ich glaube aber, dass es kontraproduktiv ist, für die Webmontag-Organisation mixxt zu benutzen – zumindest, wenn man „neue Teilnehmerkreise“ erreichen will.

Und nun gebe ich wieder zurück in die angeschlossenen Funkhäuser Blogs und Wikis :roll:

Update 08.08.08, 1:01 Uhr:
Mit einigen Stunden Verzögerung sollen dann aber doch noch drei weitere Fundstellen nachgetragen werden.

Helge Fahrnberger (er hat wohl bei mehreren österreichischen BarCamps mitorganisiert) lehnt unter dem plakativen Titel „BarCamp: Nein zu Mixxt, ja zu Wiki“ den Mixxt-Ansatz ab:

Ich möchte aus der Sicht von BarCamps noch hinzufügen: Ein Dienst wie Mixxt funktioniert nach dem Lock-In-Prinzip und stellt Gruppen/Vereinen/etc. Infrastruktur zur Verfügung, die sonst mit Mühen und Kosten verbunden wären. Zulasten der Offenheit. […]

Diese Website, über die die Veranstaltung dann abgewickelt wird, muss jedoch offen sein – ohne Mitgliedschaft in irgendwelchen Social Networks zu verlangen, und am besten überhaupt ohne Registrierung. Auf barcamp.at funktioniert das recht gut.

BarCamps sind offene Systeme – in jeder Hinsicht.[…]

In den Kommentaren schreibt er dann noch:

Die BarCamp-Organisatoren, auf die du dich beziehst, stellen möglicherweise ihre Bequemlichkeit über Offenheit. Was ich schade finde.

Zum ersten Teil seines Kommentars kann ich nur feststellen: Stimmt! Tools wie mixxt stellen für mich als Mitorganisator eine Arbeitserleichterung dar. Da ich die Orga-Arbeit „ehrenamtlich“ gemacht habe (und wieder machen würde), finde ich es mehr als legitim, möglichst wenig meiner kostbarsten Ressource – meiner Zeit – aufwenden zu müssen. Ob „Bequemlichkeit“ aber wirklich der dafür passende Begriff ist, wage ich doch zu bezweifeln.

Interessant fand ich dann noch die Anmerkungen von Nicole Y. Männl unter webmontag.mixxt.de[3] (via www.0511web.de):

Für den WebMontag Hannover kann ich sagen, dass ich teilweise bis zu 30% der Teilnehmer/innen selber ins Wiki eintragen musste. Sie hatten sich über XING angemeldet oder bei mir per E-Mail. Die Hürde des Wiki-Editierens (nicht zu wissen wie das funktioniert) ist scheinbar also sehr hoch. Könnte auch Faulheit dabei gewesen sein, ich bin dem nicht nachgegangen.

XING-Einladungen sind schön einfach, Leute ankreuzen, Text eintragen, losschicken, in die Liste schauen, wer sich angemeldet hat. Den Vorteil sehe ich jetzt bei mixxt auch.

Es wird sich zeigen, ob sich meine oben geäußerte Einschätzung, mixxt sei „kontraproduktiv“ im Sinne einer weiteren Verbreitung der Webmontag-Idee, dauerhaft aufrecht erhalten läßt. Erste Zweifel an den von mir vermuteten Vorteilen des bisherigen Wiki-Ansatzes kommen bei mir jedenfalls langsam auf …

Abschließend sei dann noch auf das „Geständnis“ unter inthechaos.de verwiesen, das deutlich macht, dass da einiges bei Oliver (Überholz) „abgeladen“ wurde, das dort nicht hingehörte (wenn es überhaupt irgendwo hingehört…):

In den letzten Tagen hat der webmontag auf mixxt für einiges an Wirbel gesorgt. Es gab positive als auch negative Meinungen dazu und ich denke letztere wurden auch von dem falschen Eindruck angeheizt, dass Oliver hier im Alleingang eine “feindliche Übernahme” versucht.

Eines vorab – so war es nicht, im Gegenteil, er war extrem vorsichtig und hat überall klar und deutlich gesagt das es nur ein TESTnetzwerk ist das eventuell als zusätzliches Angebot zu webmontag laufen könnte – genauso wie es webmontag Gruppen auf Xing, amazee, upcoming und venteria gibt.
[…]
Fakt ist – Ich war diejenige die angefangen hat das Netzwerk publik zu machen.

Und jetzt hoffe ich, dass sich die Wogen wieder spürbar geglättet haben bzw. bald glätten werden und wir alle uns wieder mehr mit der Verbreitung der Webmontag-Idee beschäftigen als uns über „technische Details“ zu zerfleischen. Auch wenn wir letzteres hier in Deutschland sehr gut können 😈

8 Gedanken zu „Webmontag und mixxt (Update)

  1. Pingback: Diskussion um den WebMontag — heiße Themen | Webschau Nicole 2.0

  2. Tim Schlotfeldt

    Lustig, genau wegen mixxt habe ich mich an dem einen oder anderen Barcamp nicht beteiligt.

    Ich glaube nicht an Altruismus. Und bei mixxt, einem Unternehmen das mit Communities Geld verdienen will (und natürlich auch soll), hat es schon ein »Gschmäckle«, wenn man dort auf einmal einen Raum für eine sehr etablierte Community parallel »zur Verfügung stellt«.

    -Tim

  3. Pingback: BarCamp: Nein zu Mixxt, ja zu Wiki · Helge's Blog

  4. Stefan Evertz Artikelautor

    @Tim Schlotfeldt:
    Möglicherweise behebt das eben oben aktualisierte bzw. verlinkte (und in meinen Augen plausible) „Geständnis“ zumindest ein wenig das „Gschmäckle“-Problem.

    Das dich die Nutzung von mixxt bisher grundsätzlich von der BarCamp-Teilnahme abgehalten hat, ist schade. Ich habe allerdings noch nie gehört, dass „unangemeldete“ Teilnehmer bei BarCamps nicht rein gelassen worden wären – (auch) für solche Fälle gibt es die Blanko-Namensschilder… :roll:

  5. Tim Schlotfeldt

    @Stefan: mixxt hat mich nicht grundsätzlich davon der BarCamp-Teilnahme abgehalten. Aber mixxt hat mich davon abgehalten, mich im Vor- und Nachfeld zu beteiligen. Was für mich schade gewesen ist. Wenn das mir so ergangen ist, dann wahrscheinlich auch anderen. Und das ist doch für ein BarCamp schade, oder?

    Zur Intention von Oliver kann ich natürlich nichts mit Gewissheit sagen. Aber ich kann etwas dazu sagen, wie das ganze auf mich wirkt: Webmontag ist eine sehr erfolgreiches Konzept mit einer beständigen und sehr aktiven Community. Die Organisation der Webmontage in einem Wiki unterstützt meiner Meinung nach den offenen Ansatz des Webmontags. Denn dass macht ein Wiki, es schafft Transparenz und einen hierarchiefreien Raum. Nun kommt da einer der Köpfe eines Unternehmens daher, dessen Dienstleistung Online-Communites lautet und baut ein weiteres virtuelles Heim für die Community. Dass damit eine Konkurrenzsituation zum bestehenden (und etablierten) Raum http://www.webmontag.de geschaffen worden und billigend in Kauf genommen worden ist, muss sich mixxt bzw. Oliver als Vorwurf gefallen lassen.

    Wenn einzelne Webmontage wie der Hannoveraner sich in mixxt organisieren wollen, ist das vollkommen in Ordnung. Wenn das die Beteiligten so wollen, warum nicht? Ist natürlich unschön, dass man für eine eigentlich als offen konzipierte Veranstaltung erstmal einen Vertrag mit einem fremden Unternehmen abschließen muss, bevor man sich online engagieren kann.

    Für mich ist es auch schwer vorstellbar, dass mit der Organisation des beispielsweise Hannoveraner oder Hamburger Webmontags in mixxt auf einmal mehr Menschen erreicht werden, die sich dann engagieren. Dafür funktionieren die Webmontage in anderen Orten nämlich einfach viel zu gut. Ich habe die starke Vermutung, dass da auch mixxt nicht weiterhelfen kann.

    -Tim

  6. Pingback: Webmontag auf mixxt - mein Geständniss » zeniscalm in the chaos

  7. Stefan Evertz Artikelautor

    @Tim:
    Wenn ich kurz mal annehme, dass ein solches Webmontag-Netzwerk nicht von einem der mixxt-Köpfe eingerichtet worden wäre, blieb von deinen Anmerkungen die Frage, ob mixxt geeignet ist, als Organisationsplattform für einen Webmontags (oder mehrere) zu dienen.

    Meine ursprüngliche Einschätzung ging ja genau in die gleiche (eher kritische) Richtung, auch wenn die Erfahrungen von Nicole bei mir mittlerweile Zweifel aufkommen lassen. Insofern werden wohl erst die nächsten Wochen und Monate zeigen, welcher Weg die „bessere“ (bzw. mehr genutzte) Alternative ist.

    Die von dir beschriebene Wahrnehmung bzw. angenommene Intention von Oliver kann ich zwar nachvollziehen. Auch lassen einige der oben zitierten Reaktionen vermuten, dass es einigen anderen auch so ging. Ich nehme dies aber eben nicht so wahr – und das nicht erst seit dem“Geständnis“.

    Ansonsten ist es definitiv schade, wenn mixxt einzelne Interessenten von der BarCamp-Teilnahme abschreckt. Und du stehst da sicherlich nicht ganz alleine. Aber es ist eine Abwägungssache – aus OrganisatorInnen-Sicht überwiegen halt letzendlich die Vorteile der Mixxt-Nutzung…

  8. Pingback: Blogistan Panoptikum KW32 2008 auf datenschmutz.net

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