Archiv für den Monat: September 2006

Unister: Kontrakommunikation? (Update 1-2)

von Stefan Evertz am 30.09.06 um 13:20 Uhr |

Eine wichtige Maßnahme zur erfolgreichen Platzierung und Vermarktung eines (Online-)Projekts stellt sicherlich die Abgrenzung zu den Mitbewerbern dar. Das Studentenportal www.unister.de spekuliert möglicherweise darauf, dass in diesem heiß umkämpften Markt auch die Kommunikation ein Alleinstellungsmerkmal darstellen könnte. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man den Bericht von Andreas Dittes liest.

Andreas war auf eine Sicherheitslücke des Dienstleisters gestossen, die wohl „34.000 Userdaten“ offenbarte, und hatte den Betreiber über das Leck informiert. Mit der unter dittes.info/blog geschilderten Reaktion wird er aber wohl nicht gerechnet haben:

Probleme gab es am nächsten Tag dann auch, denn der Geschäftsführer von Unister, Thomas Wagner, hat mich angerufen und mich in einem alles andere als freundlichen Ton darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich mehrfach strafbar gemacht hätte und man mich mit Klagen überschütten würde, sobald ich einen Beitrag über die Sicherheitslücke oder in irgendeiner Form negativ über Unister berichten würde.

Dabei meinte Herr Wagner in den eingangs genannten Beiträgen einige schwere Rechtsverletzungen erkannt zu haben. Man würde aber alle meiner 800+ Beiträge prüfen lassen, um auch dort Rechtsverletzungen aufgreifen zu können. Als Student kann ich mich ja eh nicht wehren, wenn eine Flut von Klagen mir die Augen öffnet.

Man gehe daher davon aus, dass man weder bei mir im Blog noch sonstwo im Web auf einen Beitrag zu der Sicherheitslücke von Unister stoßen wird. Ich könne mir ja überlegen, ob ich mich als kleiner Student auf eine Rechtsstreit einlassen wolle, bei dem ich eh keine Chance habe.

Die von Unister „bemängelten“ Artikel scheinen aus meiner (im Zweifelsfall laienhaften) Sicht unproblematisch zu sein. Eine ähnliche Einschätzung von Udo Vetter (www.lawblog.de) gibt Andreas auch unter dittes.info/blog wieder:

Beim Überfliegen der Artikel konnte ich viele Tatsachenbehauptungen erkennen. Wenn die stimmen – ok. Ansonsten Meinung, die ist zulässig. Schmähkritik, die verboten wäre, habe ich nicht gefunden.

Über das Sicherheitsloch haben Sie noch nichts geschrieben, richtig? Selbst das wäre aber zulässig, wenn die dortigen Behauptungen belegbar sind.

Die angemessene Reaktion von Unister wäre sicherlich eine kleinlaute Rückmeldung a la „Oh Gott! Vielen Dank für den Hinweis, wir werden das schleunigst beheben“ gewesen. Anscheinend legt aber der Betreiber Wert auf ein anderes Verständnis von Kommunikation.

Thomas Knüwer hat Anfang des Jahres in einem durchaus vergleichbaren Fall den Begriff der „Kollerkommunikation“ geprägt (siehe auch blog.handelsblatt.de/indiskretion):

Kollerkommunikation, die; Zwang, seine Meinung öffentlich kundzutun mit der absehbaren Folge der eigenen Bloßstellung in der Öffentlichkeit; ausgelöst durch Frustration, Ärger oder/und Wut über eine Person, die eine andere Meinung äußert als der Kollerkommunizierende; K-K tritt in vielen Formen auf, besonders verbreitet ist sie mündlich und schriftlich.

So ganz greift diese Definition hier allerdings nicht, da sich die beschriebenen Aussagen nun wirklich nicht nur auf den Aspekt der Meinungsäußerung beschränken lassen. Insofern scheint sich hier eher ein neuer Begriff abzuzeichnen:

Kontrakommunikation, die; der kontraproduktive Versuch, andere durch einen drohenden Tonfall zum Stillschweigen bzw. zur Rücknahme getroffener Aussagen zu bringen mit der absehbaren Folge, das exakte Gegenteil der verfolgten Absicht zu erreichen; ausgelöst durch Frustration, Ärger oder/und fehlerhafte Einschätzung der Rechtslage und der Widerstandskraft der kontrakommunizierten Personen; K. tritt in vielen Formen auf, besonders verbreitet ist sie mündlich und schriftlich.

Aber vielleicht ist das ja alles auch ein Mißverständnis – Gedächtnisprotokolle können ja manchmal etwas ungenau sein. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass Robert mit seinen Überlegungen recht behält – und das Durchatmen doch noch stattfindet (siehe www.basicthinking.de/blog):

Wenn die Aussagen von Andreas den Tatsachen entsprechen, wovon ich ausgehe, kann ich die Reaktion des Chefs von Unister absolut nicht nachvollziehen. Erstens entzieht sich damit ein Web-Startups jeglicher Kundenunterstützung und zweitens muss man doch damit rechnen, dass sich das wie ein Lauffeuer ausbreiten wird. Jeder kann mal einen schlechten Tag haben und mehr als nur laut werden. Aber dann sollte man tief durchatmen, sich vor dem Kunden zehnmal wegen der Lautstärke, dem Tonfall und Drohaussagen verbeugen und hoffen, dass der die Entschuldigung akzeptiert. Alles andere wäre Selbstzerstörung. Ich verstehe das einfach nicht.

Ich auch nicht. Und ich hoffe für alle Beteiligten, dass ich hier bald ein entwarnendes Update bringen kann… 😕

Update 03.10.06, 18:01 Uhr:
Wie Thomas Wagner per Kommentar mitteilt, gibt es nun eine „Gegendarstellung“ (siehe unten bei Kommentaren):

„Um diese Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen, haben wir unter der folgender URL eine Gegendarstellung, inkl. vollständiger Emailkommunikation mit Herrn Dittes und genauer Beschreibung des Fehlers, veröffentlicht“

Ich bin nach einer ersten Lektüre skeptisch, ob die Gegendarstellung dem Anspruch gerecht wird, die Diskussion wieder auf eine „sachliche Ebene“ zu bringen. Das hauptsächlich kritisierte – und offenbar sehr unterschiedlich wahrgenommene – Telefongespräch wird jedenfalls nur mit einer halben Seite (des sechsseitigen Dokuments) bedacht.

Offenbar geht es Unister darum, die Situation zu beruhigen – was ich nachvollziehen kann. Ob diese Gegendarstellung das geeignete Werkzeug darstellt, wage ich allerdings zu bezweifeln. Einige der Aussagen von Unister hinterlassen – zumindest bei mir – eher den Eindruck, dass Andreas Dittes diskreditiert werden soll. Und sofern andere dies ähnlich wahrnehmen, dürfte dies sicherlich nicht zur Deeskalation führen.

Aber letztendlich sollte jeder selbst die Gegendarstellung lesen und sich seine eigene Meinung bilden. Das oben von mir gewünschte „entwarnende Update“ dürfte jedenfalls noch etwas auf sich warten lassen – und es ist auch nicht gerade wahrscheinlicher geworden. Schade eigentlich 😥

Update 06.10.06, 23:10 Uhr:
Erfreut stosse ich gerade bei Andreas im Blog auf das erhoffte „entwarnende Update“ (siehe auch dittes.info/blog[2]):

Ich habe mich am gestrigen Donnerstag mit Anja Kazda, Pressesprecherin von Unister, unterhalten. Es hat mich gefreut, dass Unister auf eigene Initiative nun das Gespräch gesucht hat. Ziel war es, unsere Kommunikationsschwierigkeiten zu analysieren.

Wir sind wirklich weit gekommen und der Streit ist somit beigelegt.

Gut, dass man gelegentlich Konflikte auch ohne Anwälte lösen kann 😀

Quecksilber ist ungesund…

von Stefan Evertz am 29.09.06 um 10:06 Uhr |

… kann aber auch Spaß machen, wie das Flash-Spiel „Mercury Drops“ zeigt:

Ziel des Spiels ist es, als Quecksilber-Tropfen zu überleben. Die Richtung des eigenen Tropfens (durch einen Stern markiert) kann man mit der Maus beeinflußen. Durch das Berühren von kleineren oder gleich großen Tropfen kann man den eigenen Tropfen vergrößern. Tropfen, die größer sind als der eigene, sollte man allerdings meiden…

‚Mercury Drops‘ spielen: www.thatvideogamesite.com (Flash erforderlich; englisch)

'Mercury Drops' spielen (Flash erforderlich)

Skurriler Pausenspaß – und man muß nicht eins der „guten alten“ Quecksilberthermometer zerstören, um die interessanten Eigenschaften des flüssigen Metalls zu erleben 😉

Schilda bekommt eine Bibliothek

von Stefan Evertz am 27.09.06 um 0:27 Uhr |

OK, es gibt sie wohl schon länger, die Deutsche Bibliothek. Und seit Juli 2006 heißt sie nun „Deutsche Nationalbibliothek“ (www.d-nb.de) – und soll nun nicht nur wie bisher gedruckte Werke archivieren, sondern auch „Internetveröffentlichungen, so genannte Netzpublikationen“.

Zuerst dachte ich an einen schlechten Scherz, aber in der zugehörigen Pressemeldung heißt es weiter (siehe auch www.ddb.de):

Daneben sind Websites zu sammeln, deren Informationsgehalt über reine Öffentlichkeitsarbeit, Warenangebote, Arbeitsbeschreibungen oder Bestandsverzeichnisse / -kataloge hinausgeht. Zeitlich begrenzte Vorabveröffentlichungen und wissenschaftliche Preprints, reine Software- oder Anwendungstools und auch Fernseh- und Hörfunkproduktionen werden hingegen nicht einbezogen.

Der gesetzliche Sammelauftrag umfasst auch die so genannten webspezifischen Publikationen, die sich durch ihre dynamische Entwicklung, interaktive Kommunikationsfunktionen und multimediale Komponenten definieren. Hier muss die Deutsche Nationalbibliothek erhebliche Entwicklungsarbeit für die Archivierung und Verfügbarmachung leisten; in diesem Bereich sind derzeit viele Fragen hinsichtlich Sammlungsumfang, Sammlungstechnik und Verfügbarmachung noch unbeantwortet.

Sebastian Wolff-Marting erläutert unter sewoma.de/berlinblawg:

Vereinfacht bedeutet das, wer eine Webseite hat, muß sie ab sofort bei der Deutschen Nationalbibliothek “abliefern”. Alternativ können Medienwerke in unkörperlicher Form […] nach den Maßgaben der Bibliothek auch zur Abholung bereitgestellt werden (§16). Immerhin.

Dieses Gesetz betrifft nach dem Wortlaut jede deutsche Webseite und zwar in jeder Form, in der sie veröffentlicht wird. Erfaßt ist also auch jeder Blogkommentar, jedes Forenposting, jede Veränderung in der Zusammenstellung einer Seite etc.

Dem säumigen Ablieferungsverpflichteten drohen zweierlei Reaktionen. Einmal ein Bußgeld (§ 19; bis € 10.000,-) und zum anderen, daß die Deutsche Nationalbibliothek sich -allerdings erst nach vergeblicher Mahnung- das ablieferungspflichtige Werk auf seine Kosten selbst beschafft (§ 14 Abs. 3).

Ein längerer Artikel (inklusive Inteview mit Ute Schwens, Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek) findet sich übrigens unter www.heise.de.

Kristian Köhntopp hat jedenfalls nachgefragt, wie denn seine Sites abzuliefern sind. Und er hat auch Antwort bekommen (siehe auch blog.koehntopp.de):

Zum Bereich der webspezifischen Publikationen zaehlt die Deutsche Nationalbibliothek z.B. auch die von Ihnen abzuliefernde Veroeffentlichung. […] In solchen Faellen werden die betreffenden Publikationen von der Deutschen Nationalbibliothek vorgemerkt und erst dann angefordert, wenn der Stand der Technik dies zulaesst. In der Zwischenzeit wird die Deutsche Nationalbibliothek keine Ordnungswidrigkeitsverfahren anstrengen.

Gut, horrende Ordnungsstrafen stehen also in den nächsten Monaten nicht ins Haus. Und bei der Effektivität öffentlicher Einrichtungen – und der ausgesprochen komplexen und umfangreichen Aufgabenstellung (bei über 10 Mio. de-Domains) – brauchen wir das wohl auch bis mindestens 2010 nicht zu fürchten. Aber die Medienkompetenz der für dieses Gesetz verantwortlichen Politiker treibt mir dennoch das Wasser in die Augen.

Denn ich stimme zwar gerne und aus vollem Herzen zu, dass auch deutschsprachige „Netzproduktionen“ Teil der deutschen Kultur und irgendwie auch deutsche Kulturgüter sind, die es wert sind, archiviert zu werden (na ja, vielleicht nicht alle). Aber es scheint dann doch die Bestätigung für das Vorurteils des deutschen Ordnungswahns zu sein, dass hier gleich wieder Gesetze, Verordnungen und vor allem so schöne Worte wie „Ordnungswidrigkeit“ ins Spiel kommen.

Danke, Deutschland 👿

(u.a. via www.lawblog.de, netzpolitik.org)

Eigene RSS-Feeds in Bloglines bündeln

von Stefan Evertz am 26.09.06 um 18:33 Uhr |

Logo Bloglines Mittelfristig bleiben sie leider meistens nicht aus: Die Änderungen am Blog, die zu unterschiedlichen Adressen der RSS-Feeds führen – sei es z.B. durch den Wechsel der Blogsoftware (siehe z.B. „Ciao b2evolution – Hallo WordPress„) oder durch die Umstellung auf Feedburner (siehe auch „RSS-Feed per Feedburner„). In aller Regel läßt sich das für die Leser – z.B. durch eine entsprechende .htaccess-Datei – so abfedern, dass dem kontinuierlichen Bezug der neuesten Artikel (und Kommentare) per RSS nichts im Wege steht.

Beim weitverbreiteten Dienst Bloglines (www.bloglines.com) kann eine solche „gewachsene Struktur“ allerdings unter bestimmten Umständen beim interessierten Leser für Irritation sorgen. Sobald er nämlich z.B. über einen Link wie http://www.bloglines.com/sub/http://www.blogadresse.de nach verfügbaren Feeds sucht, kann er je nachdem mit einer Vielzahl von Feed-URL konfrontiert werden…

Wie unter sw-guide.de/weblog detailliert beschrieben wird, gibt es seit nun seit einiger Zeit die Möglichkeit, die eigenen Feeds in Bloglines zu bündeln, d.h. „Duplikate“ als solche zu kennzeichnen und somit „auszublenden“. Hierzu reicht es aus, in einen Artikel (und das Blogtemplate) von Bloglines vorgegebene Textschnipsel zu integrieren. Nachdem Bloglines so den sog. „Claim“ überprüft hat, kann man für jeden einzelnen Feed einstellen, ob dieser das Duplikat eines anderen darstellt. Die entsprechende Option findet sich in Bloglines unter „Optionen / Publisher Tools“.

Robert berichtet z.B. unter www.basicthinking.de/blog, dass er auf diesem Wege die Zahl der „sichtbaren“ Feeds spürbar ausdünnen konnte:

Bei mir waren es 16 verschiedene Feeds, die Bloglines verzeichnet (Kommentare, Kategorien, Haupt-Feeds als RSS2, Atom etcpp..). Nunmehr müssten es noch rund 6 sein.

Die „Bündelung“ der Feeds hat aber nicht nur den Vorteil, dem Leser einen Feed-Wirrwarr zu ersparen. Da Bloglines beim Abruf eines Feeds die Zahl der Abonnenten übermittelt, kann man so die Zahl der Leser ermitteln – aber eben nur für jeden einzelnen Feed. Und auch die in Feedburner angezeigten Werte scheinen leider nicht die Einzelwerte zu addieren.

Erfreulich ist daher, dass Bloglines nach der Bündelung die Gesamtzahl aller Abonnenten anzeigt. Bei mir stieg die angezeigte Leserzahl des „Hauptfeeds“ von bisher 5 auf aktuell 26, was eigentlich nur auf die Bündelung zurückzuführen sein kann.

Nach der Bündelung hatte ich allerdings den Eindruck, dass für diverse Stunden die betroffenen Feeds nicht aktualisiert wurden. Ob dies eine Begleiterscheinung der Umstellung war, weiß ich nicht, vermute aber, dass es eher mit temporären Serverproblemen bei Bloglines zusammenhing. Ähnliches dürfte für die bei www.perun.net beschriebenen Probleme gelten (die mittlerweile behoben werden konnten):

Gesagt getan. Ich kopierte die Code-Schnipsel, die man zwecks Identifizierung in das Weblog einbauen sollte und startete das sog. Claimen (beanspruchen). Mitten im Prozeß hat sich Bloglines mit einer Server-Fehlermeldung verabschiedet und seit dem Tag, ich glaube es war der 29. August, kann ich das Optionen-Menü nicht mehr aufrufen.

Alles in allem kann man so jedenfalls den Komfort für (Bloglines-)Leser etwas erhöhen und gleichzeitig die Aussagekraft der Leserzahlen für die RSS-Feeds verbessern.