Archiv des Monats: August 2007

Ciao Blogscout – Danke Dirk (Update 1-2)

von Stefan Evertz am 28.08.07 um 7:52 Uhr | Schreibe eine Antwort

Dirk Olbertz hat heute bekanntgegeben, dass er – quasi mit sofortiger Wirkung – seinen kostenlosen Dienst Blogscout schließen wird (siehe blog.blogscout.de):

Warum dieser Schritt? Ich wollte mit Blogscout einen Wegweiser für die Blogosphäre schaffen. Diesem Anspruch kann ich aber nicht ansatzweise gerecht werden. Die breite Masse – oder auch “Longtail” – ist entweder gar nicht bei Blogscout vertreten, oder ist unterrepräsentiert.

Durch die Erfahrungen, die ich bei Blogcensus.de gemacht habe, glaube ich inzwischen, dass ein Dienst, der nur darauf basiert angemeldete Blogs zu erfassen und auszuwerten, dem Anspruch eines Wegweisers durch die Blogosphäre nicht gerecht werden kann.

Ich möchte außerdem den Blogbetreibern, die wirklich meinen, dass Quantität die Qualität aussticht und mit aller Macht versuchen, SEO mit Blogs machen zu wollen, keine Unterstützung bieten – sei sie auch noch so klein. Ich glaube nicht, dass Blogscout so wichtig ist, dass es als Ziel einer Optimierung gesehen wird, aber durch die Arbeitsweise von Blogscout ist es eben anfällig dafür.

Wenn ich richtig gerechnet habe, habe ich den Blogscout-Counter seit dem 28. Dezember 2005 im Einsatz – kurz nachdem der Dienst Blogcounter eindrucksvoll bewiesen hatte, dass man bei allem, was „kostenlos“ ist, immer sehr genau hinsehen sollte (siehe auch „Auf Nimmerwiedersehen, Blogcounter (Update)„, „Blogcounter: Nichts dazugelernt? (Update)„). Den Schritt zur Nutzung – und Unterstützung – des „Projekts“ von Dirk hingegen habe ich bis heute nicht bereut. Daran konnten auch gelegentliche Störungen nichts ändern, die einfach passieren können und von Dirk immer schnellstmöglich behoben und auch kommuniziert wurden.

Ich möchte Dirk auf diesem Wege von Herzen danken. Es war ein engagiertes und spannendes Projekt – und mir es hat Spaß gemacht, über 600 Tage lang die Weiterentwicklung des Projekts zu begleiten. Ich würde mir wünschen, dass auch Dirk angesichts (oder trotz) des zu vermutenden Aufwands (Entwicklung / Support) seine Freude am Projekt hatte, auch wenn das Gesamtziel offenbar nicht erreicht wurde.

Neben dem reinen Zählen von Besucher- und Seitenabruf-Zahlen sind dabei viele weitere vielversprechende Ideen realisiert worden (z.B. die Spielwiese und die Blogkarten) und auch die Robinsonliste werde ich vermissen. Ich hoffe jedenfalls, dass zumindest das Blog noch bestehen bleibt – es wäre wirklich schade, wenn all die dort dokumentierten Features, Ideen und Anregungen im virtuellen Nichts verschwinden würden. Und vielleicht versucht ja mal irgendwann jemand, dieses schwere Erbe anzutreten.

Denn ich sehe eigentlich keine ernstzunehmende Alternative am Horizont: Blogcounter werde ich ganz sicher nicht mehr irgendwo einsetzen und Feedburner ist seit der Übernahme durch die „Datenkrake“ Google ebenso problematisch wie Google Analytics. Sitemeter habe ich seit April 2007 verbannt, da dort ebenfalls leichte Zweifel in punkto „Datenschutz“ aufkamen (plötzlich wurden Cookies Dritter gesetzt; siehe auch conservablogs.com). Bleibt eigentlich nur noch Statcounter.com – ein durchaus stabiler Dienst, aber leider nicht spezialisiert auf Blogs.

So sehr mir daher Blogscout als bester Besucherzähler auch fehlen wird: Mein Respekt gilt Dirk – und das gleich im doppelten Sinne. Zum einen für sein „ehrenamtliches“ Engagement in den letzten beiden Jahren. Noch viel mehr aber bewundere ich die Konsequenz, auch diesen „letzten“ Schritt zu machen und das Projekt zu beenden.

Update 28.08.07, 10:10:
Nun hat es die Nachricht sogar bis zu den „größeren“ Medien geschafft – und das sogar mit durchaus überraschenden Details. So lese ich gerade unter www.golem.de:

Blogscout könne seinem Anspruch, ein Wegweiser für die Blogosphäre zu sein, nicht ansatzweise gerecht werden, so Olbertz, der mit Rivva auch eine Blogschau nach dem Vorbild von Techmeme betreibt.[…]

Mit Rivva betreibt Olbertz allerdings eine weitere Art automatisierter Blogschau. Nach dem Vorbild von Techmeme versucht Rivva, anhand der Verlinkungen von Blogs untereinander die wichtigsten aktuellen Einträge in deutschsprachigen Blogs zu ermitteln, zeigt aber auch, wo die Themen diskutiert werden und wer ein Thema wann aufgegriffen hat. So schafft Rivva eine schnelle Übersicht der wichtigsten durch die Blogs gehenden Themen.

So empfehlenswert der von Frank Westphal betriebene Dienst rivva.de auch ist – der Zusammenhang mit Dirk Olbertz war mir bisher neu 😉

Update 28.08.07, 10:26:
Ok, das kleine Missverständnis ist offenbar nicht nur mir aufgefallen und wurde bereits korrigiert 😉

Doppelplusgut: GEZ verschickt Abmahnung als Wortwächter (Update 1-2)

von Stefan Evertz am 23.08.07 um 16:23 Uhr | 11 Antworten

Nein, ich bin kein Anwalt. Und der müsste ich wohl sein, um zu verstehen, warum bzw. auf welcher rechtlichen Basis die GEZ eine Abmahnung verschickt hat (siehe www.akademie.de):

Die Gemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hat die Wissensplattform akademie.de über die Rechtsabteilung der GEZ abgemahnt: akademie.de soll sich dazu verpflichten, „nicht existente“ bzw. „falsche“ Begriffe wie „GEZ-Gebühren“, „PC-Gebühr“, „Gebührenfahnder“, „GEZ-Anmeldung“ oder „GEZ-Abmeldung“ nie wieder zu verwenden. Das Verbot wird damit begründet, die Nutzung der Begriffe diene nur dazu, „ein negatives Image der GEZ hervorzurufen“.

Der „Imageschaden“, der sich z.B. aus der Verwendung des Begriffs „GEZ-Gebühren“ ergibt, habe ich bisher nicht gesehen. Es ist daher der GEZ zu danken, dass sie den Missstand falscher bzw. nicht existenter Begriffe endlich thematisiert hat und an der Wurzel bekämpfen will. Mit den aktuell mindestens 7 Milliarden Rundfunkgebühren pro Jahr klappt das sich auch noch mit den anderen 223.000 Suchtreffern, die Google bei der Suche nach „GEZ-Gebühren“ ausspuckt (www.google.de).

Und wenn ihr gerade dabei seid: Es heißt „das Blog“, nicht „der Blog“.

Ich gebe zurück an die angeschlossenen Funkhäuser 👿

P.S.: Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass offenbar Bernd Röthlingshöfer zeitgleich die gleichen Assoziationen bei diesem Thema hatte wie ich (siehe auch berndroethlingshoefer.typepad.com). Oder vielleicht ist es auch einfach nur gesunder Menschenverstand.

Update 23.08.07, 22:38 Uhr:
Eigentlich wollte ich dieses Update mit den Worten beginnen, dass „es sich zunehmend offenbart, dass die GEZ die Akzeptanz ihres wichtigen und hehren Projekts zumindest in Teilen falsch eingeschätzt hat – dies zeigen zumindest die zahlreichen Reaktionen innerhalb der Blogosphäre“. Langsam wächst aber mein Unbehagen, dass hier Ironie als Mittel nicht mehr ausreichen könnte.

In jedem Fall haben zwischenzeitlich zwei „Medien“ den Fall aufgegriffen. Während bei www.golem.de im wesentlichen die Angaben von akademie.de wiedergegeben werden, zeigen die Recherchen von heise.de, dass nicht nur im Hinblick auf die Forderungen der GEZ noch Fragen offen sind (siehe auch www.heise.de):

„Die GEZ will unsere Mandanten mundtot machen“, vermutet Rechtsanwalt Sebastian Biere, der akademie.de vertritt. Sollten sich seine Mandanten tatsächlich bereit erklären, in ein paar Punkten eine Unterlassungserklärung abzugeben, stelle sich allerdings die Frage, wem gegenüber das geschehen solle – aus der Forderung selbst geht das nicht hervor. Die Verwaltungsgemeinschaft von ARD, ZDF und Deutschlandradio ist laut Selbstbeschreibung keine juristische Person. „Die GEZ ist im Grunde nichts anderes als ein Rechenzentrum, das sagt sie im Übrigen auch selbst“, meint Biere. So stelle sich die Frage, wer einen solchen Anspruch, so er denn bestünde, überhaupt geltend machen könne. […]
Die GEZ wollte sich zu dem „laufenden Verfahren“ nicht äußern, verwies aber auf Signale der Gegenseite, eine modifizierte Unterlassungserklärung abgeben zu wollen. Ob ähnliche Forderungen künftig auch den Redaktionen von Spiegel, Focus oder Süddeutsche Zeitung ins Haus stehen, wollten die Kölner auf Nachfrage nicht sagen.

Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass hier noch weitere Medienreaktionen erfolgen werden – Spiegel Online wäre z.B. ein Kandidat mit nicht unerheblicher Reichweite. Die GEZ dürfte dieses Echo jedenfalls nicht kalt lassen – zumindest hoffe ich das.

Und dem Team von akademie.de wünsche ich gute Nerven, ein bisschen Mut und viel Erfolg, damit hier kein katastrophaler Präzedenzfall entsteht. Über die Angelegenheit wird man dort jedenfalls nicht mal schmunzeln können – da bin ich sicher 🙄

Update 24.08.07, 10:26 Uhr:
Soeben hat Spiegel Online das Thema aufgegriffen und gibt weitere Details aus dem Abmahnungsschreiben wieder (siehe auch www.spiegel.de):

Die beiden anderen Themen, bei denen die GEZ eine Unterlassung verlangt, sind komplexer. Da geht es um die „falsche Darstellung der Rundfunkgebührenpflicht für neuartige Rundfunkempfangsgeräte“.

Die GEZ ist der Meinung, die Behauptungen in den Artikeln auf Akademie.de würden auf einem falschen „Verständnis von Gesetzestext und -systematik beruhen“, seien daher falsch und zu unterlassen. Dietrich von Hase, Mitarbeiter der Redaktion bei akademie.de, erklärt dazu gegenüber SPIEGEL ONLINE: „Es geht um verschiedene Rechtsmeinungen. Beispielsweise, wann für betrieblich genutzte PCs überhaupt eine Rundfunkgebühr für PCs fällig wird.“

Die von der GEZ abgemahnten Behauptungen „im Sinne einer üblen Nachrede“ betreffen vor allem Texte auf Akademie.de, die von angeblichem Fehlverhalten der GEZ berichten. […] Die entsprechenden Passagen der beanstandeten Artikel auf Akademie.de lesen sich in der Tat oft vage und verallgemeinernd. […] Was zum Beispiel die Punkte zur üblen Nachrede angeht, wollen die Abgemahnten auch die entsprechende Erklärung gegenüber der GEZ anstandslos unterzeichnen. […]

Sobald die GEZ hier nachgebessert hat (Anmerkung SE: gemeint ist die schon bei heise.de angesprochene unpräzise Angabe des „Absenders“ der Abmahnung) , werde Akademie.de, so deren Anwalt Sebastian Biere gegenüber SPIEGEL ONLINE, eine modifizierte Unterlassungserklärung unterschreiben.

Es ist natürlich ärgerlich, dass sich hier Akademie.de zusätzlich mit dem möglicherweise zutreffenden Vorwurf der üblen Nachrede auseinandersetzen muss; Tatsachenbehauptungen mit entsprechenden „Belegen“ wären da sicherlich besser gewesen.

Es bleibt aber der Eindruck, dass hier die GEZ versucht, juristisch sowohl die eigenen Sprachregelungen durchzudrücken als auch die Veröffentlichung von (abweichenden) Rechtsmeinungen Dritter zu unterdrücken – und sollte dieser Eindruck stimmen, so darf sie damit nicht durchkommen. Möglicherweise müsste man überlegen, die „Grundgesetz-Aktion“ (siehe auch www.svenscholz.de) auch auf die GEZ auszudehnen…

Barcamp Cologne 2: Gleich geht es los

von Stefan Evertz am 17.08.07 um 17:23 Uhr | Schreibe eine Antwort

Banner Barcamp Cologne So, noch die letzten Utensilien einpacken und dann geht es gleich auf nach Köln. Dort findet ab morgen das BarcampCologne2 statt – und die heutige Party irgendwo in Köln-Ehrenfeld soll das Wochenende einläuten. Mehr Informationen gibt es auf der offiziellen Seite:

barcampcologne2.mixxt.de

Ich freue mich jedenfalls schon darauf, viele alte und neue Gesichter wiederzusehen. An spannenden Themen mangelt es definitiv auch nicht und da ich diesmal den lästigen, im April in Frankfurt aber unvermeidlichen Trolley durch einen Rucksack ersetzt habe, sind eigentlich alle Weichen für ein schönes Wochenende gestellt.

Und vielleicht und mit etwas Glück könnt ihr mich vor Ort auch per Skype erreichen 🙄