Der BlogRang von Blogscout

von Stefan Evertz am 10.03.07 um 0:03 Uhr |

Ich hatte ja bereits unter „Blogscout-Sudoku“ über die neu berechnete Top-Liste des Zählers von Dirk Olbertz geschrieben, um mich dann unter „Blogscout: Ranking by Obscurity“ über die Entscheidung von Dirk zu ärgern, die Formel (doch) nicht zu veröffentlichen.

Erfreulicherweise hat sich Dirk nun doch anders besonnen – und die Formel für den BlogRang veröffentlicht (siehe auch blog.blogscout.de):

Die Punkte werden nun wie folgt errechnet: bei jedem Blog wird die Anzahl der In-Blogs genommen und als Punkte auf alle Out-Blogs des Blogs addiert. Wenn mein Blog also 10 In-Blogs hat und ich 5 Out-Blogs habe, bekommt jedes der 5 Out-Blogs 10 Punkte von mir. Betrachtet werden dabei immer die letzten 7 Tage.

Somit ist auch klar, wie das System manipuliert werden kann: möglichst viel in anderen Blogs kommentieren und anschließend auf den Link zum eigenen Blog klicken…

Anders formuliert: Wenn 10 Blogs auf Blog A verlinken (im Beitrag oder per Kommentar) und diese Links angeklickt werden, hat Blog A einen „In-Blog-Wert“ von 10, den es an alle Blogs „vererbt“, die in Blog A verlinkt und deren Links angeklickt wurden. All das gilt natürlich nur für die schätzungsweise 2.400 Blogs, die Blogscout als Zähler nutzen.

Ein erster kleiner Schwachpunkt wäre also ausgemacht: Die Verlinkung aus Foren und anderen Websites oder eben aus Blogs, die nicht durch Blogscout erfasst werden, fällt aus der Berechnung heraus. Bei der ersten Gruppe kann man den gewünschten Bezug zur „Blogosphäre“ wohl kaum vermuten. Und die Nicht-Blogscout-Benutzer kriegen wir auch noch 👿

Ansonsten wäre noch ein weiteres, eher theoretisches Problem zu nennen, das allerdings nicht nur für Blogscout gilt bzw. gelten könnte: Die (angeklickten) Links, die direkt mit der vielgenutzten Blog-Software „WordPress“ zusammenhängen (Standard-Blogroll der WP-DE-Edition, die meisten Themes und einzelne Plugins, die externe Links enthalten; siehe auch www.popkulturjunkie.de).

Zur Zeit scheint dieses Phänomen allerdings noch nicht aufgetreten zu sein; ob dies daran liegt, dass die betreffenden Blogs Blogscout nicht einsetzen oder einfach die entsprechenden Links nicht angeklickt wurden, kann ich nicht beurteilen.

Ein dritter diskussionswürdiger Aspekt betrifft die „Anbieter“ von Erweiterungen für Blog-Software, vor allem die WordPress-Plugins. Mein Video- und MP3-Plugin „Flash Cortex“ zum Beispiel wird laut www.technorati.com aktuell von 34 Blogs verlinkt. Täglich gehen auf die entsprechende Seite etwa 30-40 Besucher (2-3 % aller täglichen Besucher). Auch wenn (bei mir) ein Großteil dieser Besucher über Suchmaschinen kommen (und somit nicht in den BlogRang einfließen würden), stellt sich – vor allem bei anderen vielfrequentierten Plugin-Seiten – die Frage, ob solche Links „vollwertige“ Links sind und in den „In-Blog-Wert“ einfließen sollten? Ich würde zwar meinen, dass auch diese Form der Vernetzung eine Referenz an die (programmierenden) Bemühungen der jeweiligen Macher darstellt. Aber da kann man sicher auch anderer Meinung sein.

Fazit:
Nachdem nun die Formel veröffentlicht ist und in meinen Augen eine sinnvolle Bündelung der erhobenen Besucherzahlen darstellt, hat die so generierte Top-Liste von Blogscout gute Chancen, den BlogRang eines Blogs realistisch abzubilden – sofern Blogscout künftig eine weitergehende bzw. ausreichende Verbreitung als „Zähler“ findet und Dirks Server mitspielen ;). Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass die vorgenannten „Haken“ das Gesamtbild nur marginal verfälschen können. Genaueres werden aber wohl erst die nächsten Wochen und Monate zeigen… 🙄

5 Gedanken zu „Der BlogRang von Blogscout

  1. herbert

    Gut erklärt, aber ich verstehs trotzdem nicht, aber ich habe noch einen Blog der so mit ganz wenigen Hits pro Tag vor sich herdümpelt, aber in dieser Wertung ist er fast 1500 Plätze besser platziert. Macht Spass auch mal die Liste anzuschauen

  2. Ralf

    Bei den Plugin-Autoren sehe ich das Problem der links weniger. Sie verlinken dich ja gewollt weil sie dein Plugin gut finden.

    Anders sieht es bei Themes aus. Dort ist oft ein Link zu einem Blog vorhanden und die Autoren wissen manchmal nicht einmal wie sie den Link weg bekommen könnten selbst wenn sie es wollten. Bei den Deutschen Blogcharts gab es diesbezüglich ja auch schon Diskussionen.

    Genau genommen müsste man zwischen Links in Beiträgen und Links die statisch auf dem Blog ausgebracht sind (z.B. Blogrolle) unterscheiden. Ein Link in einem Beitrag sagt nicht zwingend aus das ich das verlinkte Blog gut finde, ich beziehe mich lediglich auf den Inhalt. Das hat bei mir mittlerweile dazu geführt, dass ich u.U. ein Blog erst gar nicht verlinke.
    Auf der anderen Seite finde ich das Links in Blogrollen einen höheren Stellenwert haben als Links in Beiträgen. Es bedarf schon wesentlich mehr in meiner Blogrolle zu landen als ein lustiger Beitrag oder ein Stöckchen bei dem man mal mitmacht.

    Nett wäre es also wenn man bei Blogscout quasi Blogrolls anlegen könnte (OPML-Import) und dann ggf. die Links in den Feeds anders gewertet werden als die in den Blogrolls. Dirk hatte mir mal geschrieben das er evt. etwas mit FOAF machen will, das würde dann schon so in die Richtung gehen.
    Trotzdem besteht weiterhin die Problematik das ein Link ein Link ist und keine Wertigkeit hat. Berichten 1.000 Leute über einen üblen Spammer und verlinken einen bestimmten Beitrag, so erhält der Spammer auch 1.000 Backlinks.
    Zur finalen Auswertung müsste man den Links also ein Attribut (z.B. rel=“negativ“ bzw. positiv/neutral) mitgeben.

    Im Großen und Ganzen finde ich diese Link- und Klickzählerei noch nicht wirklich befriedigend oder hilfreich. Man wird auf die Hotspots der Blogsphäre geleitet und verpasst u.U. das wirklich interessante am Rande des Tumultes.

  3. Pingback: Kasi-Blog

  4. Stefan Evertz Beitragsautor

    @Ralf: Möglicherweise kann man den FOAF / Blogroll-Aspekt (und die zusätzlichen Punkte für die BlogRang-Bewertung) auf Basis der „Netzwerk“-Funktion von Blogscout realisieren. Ein OPML-Import wäre zwar komfortabler bzw. einfacher, dafür würde sich wohl sehr schnell die Frage nach der Kompatibilität zu den Blogscout-Accounts stellen. Einige Blogs z.B. verlinken auf dieses Blog mit dem URL „www.hirnrinde.de/index.php“ – andere einfach nur auf die Domain.

    Insgesamt hast du natürlich Recht: Die spannenden kleinen Diamanten „am Rand“ findet man so sicher nicht. Und ich habe ohnehin den Eindruck, dass diese Diamantensuche bei Blogscout langsam in den Hintergrund gerät, da dort verstärkt die Artikel mit den meisten Scouts bzw. Abrufen gelistet werden – und immer weniger Beiträge aus allen Blogs (also auch bzw. eben aus den „kleinen“ Blogs) angezeigt werden.

    Dennoch stellt Dirks Formel einen besseren Weg zur Identifikation der „Hotspots“ dar als ihn z.B. Technorati verfolgt – denn dort werden eben nur die reinen Links und nicht die angeklickten Links erfasst. Dirk kann somit Daten in einer Tiefe verknüpfen, wie sie sonst wohl nur bei Google verknüpft werden (könnten?), indem der Suchmaschinen-Index (vorhandene Links) und die Adsense-Daten (Nutzung der Seiten) in Relation gesetzt würden. Und selbst dann wäre dort noch nicht die Bewegung zwischen den Blogs erfasst.

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